Fast drei Billionen Euro. Viele halten die Bonität des Staates für eine technische Kennzahl für Finanzminister und Börsenhändler. Tatsächlich entscheidet sie mit darüber, was Kredite, Wohneigentum und Investitionen in Zukunft kosten — für alle.
Schulden sind nicht per se ein Problem — solange die Wirtschaft mitwächst. Kritisch wird es, wenn die Verschuldung schneller steigt als die Wirtschaftsleistung. Genau diese Schere öffnet sich gerade.
Schematisch. Steigt das eine ohne das andere, gerät die Bonität unter Druck.
Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Staaten. Deutschland trägt bislang die Bestnote AAA — sie macht deutsche Staatsanleihen zum Vertrauensanker der Kapitalmärkte. Wird die Kreditwürdigkeit infrage gestellt, kann diese Note fallen.
Schlechtere Note = höhere Zinsen auf neue Schulden.
Jeder Euro, der in Zinsen fließt, fehlt woanders: bei Bildung, Infrastruktur, innerer Sicherheit. Die Zinslast des Bundes hat sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht — noch vor einer möglichen Herabstufung.
Quelle: BMF, Bundesrechnungshof
Die Zinsen deutscher Staatsanleihen sind der Maßstab für viele andere Finanzierungen. Steigen sie dauerhaft, verteuern sich auch Baukredite, Unternehmenskredite und die Finanzierung von Kommunen.
Beispiel: 400.000 € Darlehen, ein Prozentpunkt höherer Zins.
Die Debatte um die Kreditwürdigkeit ist keine abstrakte Diskussion über Finanzmärkte. Sie berührt die Frage, wie teuer Investitionen, Wohneigentum und wirtschaftliches Wachstum in Zukunft werden.
Der Weg zurück führt über zwei Dinge: wirtschaftliches Wachstum auf der einen und nachhaltige Staatsfinanzen auf der anderen Seite — damit das Rating als Vertrauensanker gegenüber den Kapitalmärkten erhalten bleibt.
„Man kann nicht auf Dauer mehr Geld ausgeben, als man hat.“Christian Lindner, Instagram-Reel